Women&Work-Gastvortrag: Karrierestrategien für Frauen

Alle News, Inside CBS   -  10. April 2019

Frauen werden heute Bundeskanzlerin, Soldatin oder Astronautin – Vorsitzende eines DAX-Unternehmens werden sie jedoch (noch) nicht, wie Melanie Vogel, Gründerin & CEO der AGENTUR ohne Namen GmbH sowie der Messe Women & Work, zu Beginn ihres Gastvortrag „Erfolgreiche Karrierestrategien für Frauen“ auf Einladung des Career Servcies darlegte. Dass derzeit keine Frau an der Spitze eines DAX-Unternehmens stünde, war dabei nur eines von vielen Indizien für die unterschiedlichen Karrierewege von weiblichen und männlichen Führungskräften.

Zeitenwende für Frauenkarrieren

„Eigentlich sollte die moderne Arbeitswelt den Frauen zu Füßen liegen. In unserer globalisierten, hochkommunikativen Welt sind typisch weiblichen Stärken stärker gefragt, denn je“, erläutert Melanie Vogel. Im Berufsleben stelle sie jedoch immer wieder fest, dass Frauen zwar fleißig, aber zu bescheiden seien. Insbesondere beim Aufstieg würden sie zu oft von ihren männlichen Kollegen überrundet werden: Wenngleich mehr Frauen (51 Prozent) als Männer (49 Prozent) die Universitäten mit einem Hochschulabschluss verließen, würde es nur ein Bruchteil der Frauen (15 Prozent) der Aufstieg in das mittleren Management (Männer: 85 Prozent) gelingen. Je höher die Managementebene sei, desto weniger Frauen wären in Führung: Nur 28 Prozent der Aufsichtsräte seien Frauen. „Dass sich dieses Ungleichgewicht in den nächsten Jahren ausgleicht, ist unwahrscheinlich. Die UN geht sogar davon aus, dass es 217 Jahre dauern wird, bevor Männer und Frauen wirtschaftlich gleichgestellt werden“, so Melanie Vogel.

Hürden des beruflichen Aufstiegs

Doch woher rühren diese Hindernisse, die Frauen den Weg in die Chefetagen verwehren? Hier gilt es sich vor Augen zu führen, dass die meisten Unternehmen männlich geprägte Strukturen aufweisen. Der männliche Führungsstil zeichne sich tendenziell durch eine hierarchische Struktur aus, in der die Arbeitsergebnisse des Teams klar im Fokus stünden. Der Teamleiter positioniere sich klar an der Spitze der Mitarbeiter. Weibliche Führungskräfte neigen hingegen eher zu einer beziehungs- und inhaltsorientierte Struktur, in der das Wohlbefinden der Gruppe in den Vordergrund und sie selbst in die Mitte der Gruppe gestellt würde. Letztgenanntes Führungskonzept sei jedoch für viele Unternehmen noch Neuland.

„Frauen begehen häufig den Fehler, Verantwortung leichtfertig an Männer abzugeben, was ein deutliches Signal gegen den Aufstieg an die Vorgesetzten sendet. Ein positives Rollenbild von Karrierefrauen mit Kindern fehle zudem häufig ganz“, erklärt Melanie Vogel. Auch in Gehaltsverhandlungen würden Frauen zumeist schlechter abschneiden: Bewerteten sie Vorgesetzte vor allem aufgrund ihrer bereits erfolgten Leistung, würden sie Männer eher anhand ihres (zukünftigen) Potenzials beurteilen.

Taktiken für die Karriereplanung

Einer Langzeitstudie von Catalyst zufolge, basieren weibliche Karrieren heutzutage in stärkerem Maße auf Mentoren und Netzwerke als männliche. Melanie Vogel empfiehlt, dass Frauen eine Vision für die eigene Karriere entwickeln und sich frühzeitig mit ihren Ziele, persönlichen Ressourcen, potentiellen Arbeitgeber und den eigenen Weg auseinandersetzen sollten. Ebenso wichtig wäre es, das eigene Markenkapital, inkl. der Stärken, Kompetenzen und des Wissens, zu kennen und in Vorstellungsgesprächen gekonnt auszuspielen. Zudem sei es wichtig, frühzeitig tragfähige Netzwerke aufzubauen und eine intelligente Arbeitgeberwahl zu treffen. Im Hinblick auf die Frauenquote-Diskussion riet sie den Studierenden zur Gelassenheit: „Freuen Sie sich darauf, eine Quotenfrau zu sein! Als Quotenfrau leisten Sie Pionierarbeit und erhöhen die Sichtbarkeit für Ihre Leistung. Ich kann Ihnen versichern, dass nach kurzer Zeit nicht mehr die Quote, sondern allein Ihre Leistung eine Rolle spielt.“