Sie wissen bereits, was Sie studieren möchten? Dann bewerben Sie sich jetzt!

Vortrag bei DuMont: Manipulation und Propaganda in Sozialen Netzen

Alle Kategorien, Inside CBS   -  28. Mai 2018

Im Rahmen der Vortrags- und Diskussionsreihe „Wissenschaft in Kölner Häusern“ nahm sich CBS-Dozent Prof. Dr. Dietmar Janetzko einem der meistdiskutierten Themen der letzten Jahre an: Manipulation, insbesondere zur politischen Willensbildung, und Fake-News in Sozialen Medien. Rund 100 Zuschauer und Diskutanten fanden sich im Medienhaus von DuMont Rheinland ein. Darunter auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Genau am richtigen Ort

Wie üblich bei diesem Format, finden die Vorträge nicht in einem Hörsaal oder Labor statt, sondern an außergewöhnlichen, aber wiederum auch passenden Orten. Wie Philipp M. Froben, Geschäftsführer Medienhaus DuMont Rheinland, und Prof. Dr. Elisabeth Fröhlich, neben Präsidentin der CBS auch Vorsitzende der Kölner Wissenschaftsrunde, in ihren einleitenden Worten verraten haben, war das Medienhaus der Wunschort von Prof. Janetzko für seinen Vortrag. Prof. Fröhlich dankte DuMont Rheinland, dass dies möglich geworden ist; und betonte auch, warum dieses Thema gerade für die CBS so wichtig ist: Viele Absolventen werden die Top Manager von Morgen sein und damit große Verantwortung tragen. Deswegen ist es wichtig auch für dieses Thema zu sensibilisieren.

(Zu) große Hoffnung

Seinen Vortrag begann Prof. Dietmar Janetzko mit einer traurigen Erkenntnis: Die Hoffnung, das Internet würde die Demokratie revolutionieren und eine direktere Partizipation ermöglichen, hat sich in vielen Bereichen nicht erfüllt. Weite Teile der Bevölkerung sind zwar durch das Internet nicht mehr „nur“ dazu verdammt Empfänger von Nachrichten zu sein, sondern können – den Zugang zu Technik und das Wissen diese einzusetzen vorausgesetzt – auch zum Sender werden. Diese Möglichkeit vom Computer oder Smartphone aus Massen von Menschen zu erreichen, steigert natürlich die Partizipation – ermöglicht aber auch die Manipulation.

Soziale Medien: Auf der Suche nach dem Volonté Générale

Im nächsten Schritt weitete Prof. Janetzko das Fundament seines Vortrags noch etwas aus: Eine kurze Exkursion zur Demokratiebildung von Jean-Jacques Rousseau und seinem 1762 erschienenen Hauptwerk „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des politischen Rechtes“ zeigt der Weg vom Volonté de Tous – quasi dem Aggregat der Summe der individuellen Interessen – zum Volonté Générale – dem gültigen Repräsentant des Gemeinwohls – ist nicht leicht, im besten Falle durch funktionierende Demokratien möglich und oft missbraucht worden. Man denke an Hitler oder Stalin, die als Meister der Manipulation und Propaganda den Volonté Générale glaubhaft für sich beanspruchten und die schrecklichen Folgen dessen.

Wie steht es nun um die Sozialen Medien und ihren User-Generated-Content? Könnte hier vielleicht tatsächlich die vox populi, die „Stimme des Volkes“, artikuliert werden? Auf den ersten Blick scheint das möglich. Tatsächlich werden sozialen Medien genau so in Anspruch genommen, die „Stimme des Volkes“ zu repräsentieren. Allerdings: Solche Ansprüche sind verfehlt, denn soziale Medien verfügen übe keine Mittel, die vielen Stimmen zu einem Volonté Générale zu bündeln. Hinzu kommt, dass spätestens seit dem Jahr 2016 Phänomene wie Fake-News oder Social Bots den Anspruch der sozialen Medien auf Vertretung der Bevölkerung unglaubwürdig machen.

Vergiften für $240

Spätestens bei der Analyse überraschender oder sehr knapper Wahlergebnisse der letzten Jahre – man denke an Stichworte wie „Brexit” oder „Donald Trump“ – kamen die zum Teil sehr einfachen Möglichkeiten die öffentliche Meinung über Soziale Medien zu manipulieren ans Tageslicht. Social Bots, die durch Algorithmen gesteuert vortäuschen echte Menschen zu sein, Astroturfing, wo zentral gesteuert eine „echte Graswurzelbewegung“ vorgetäuscht wird oder das Hacken von wichtigen Accounts sind nur einige Methoden der Manipulation.

Verstärkt durch die guten Manipulationsbedingungen in Sozialen Netzwerken hat sich eine ganze Branche gebildet, die zu mehr oder weniger überschaubaren Preisen Fake-Content sähen: So kostet, laut einer Studie des Cyber Security Firma „Trend Micro” aus dem vergangenen Jahr, die „Vergiftung“ eines Twitter-Accounts $ 240. Die Diskreditierung eines Journalisten schlägt schon mit $ 55.000 zu Buche.

Trotz divergierender Forschungsergebnisse besteht Handlungsbedarf

Auch wenn es noch nicht so weit ist, „Meinungen“ verlässlich kaufen zu können und die Rolle, die etwa Chatbots bei der Manipulation spielen, nicht von allen Seiten als kritisch eingestuft wird, besteht Handlungsbedarf. Gerade bei engen politischen Entscheidungen können Versuche der Beeinflussung über Soziale Medien das Zünglein an der Waage sein.

Mögliche Handlungsoptionen könnten aus strafrechtlicher Verfolgung und den entsprechenden juristischen Rahmenbedingungen bestehen. Auch medienpädagogische Maßnahmen können helfen Fake-News und Manipulationsversuche zu erkennen. Hier sind auch wieder klassische, redaktionell betreute Medien in der Pflicht, sachlich und deeskalierend zu Informieren.

Neue Aufgaben für Nachrichtenredaktionen

Die nachfolgende Diskussion leitete Thomas Kemmerer, General Manager Digital Kölner Stadt-Anzeiger und EXPRESS, mit einer Einordnung, welche Rolle Redaktionen und Journalisten bei dem Thema spielen, ein. Hier muss an zwei Fronten gekämpft werden: Zum einen möchte Thomas Kemmerer über die Gefahren von Fake-News und Manipulationen aufklären; zum anderen sollten die schnellen Digitalen Medien nicht selber auf Fake-News reinfallen. „Wenn eine Nachricht zu schön ist, um wahr zu sein, ist sie es meist auch“ fasst er zusammen und rät hier zu erst einmal innezuhalten bevor übereilt berichtet wird.

In den Redaktionen sind also neue Kompetenzen gefragt, um Fake-News sicher zu erkennen. Dazu wurden bei DuMont einige Redakteure gezielt zu „Fakten-Checkern“ ausgebildet, um verdächtige Nachrichten auf deren Authentizität zu prüfen.

Tiefgehende Diskussion

In der folgenden Diskussion wurde deutlich, welche Relevanz das Thema für die Anwesenden hat und dass es dazu durchaus unterschiedliche Meinungen gibt. Eine junge Medienwissenschaftlerin eröffnete die Diskussion mit der Frage, ob das Problem nicht überschätzt und zu viel Panik gemacht werde. Die wissenschaftliche Evidenz sei hier keineswegs eindeutig.

Auch die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker nahm aktiv an der Diskussion teil und erkundigte sich, ob Bots auch für positive Zwecke eingesetzt werden können. Hier war die Antwort ein klares Ja – am Ende ist jeder Bot von einem Menschen programmiert und richtet sich nach dessen Ansichten.

Die angeregte Diskussion entwickelte sich – passend zum Ort des Geschehens – zunehmend hin zu der Frage, wie die Medienlandschaft der Zukunft aussehen könnte. Das Statement eines anwesenden Lehrers, dass sich seine Schüler stark gefilterte, auf ihre Interessen zugeschnittene Medien konsumieren, brachte die Politikwissenschaftlerin und Mitorganisatorin der Veranstaltung Prof. Dr. Ingvill C. Mochmann zur kritischen Frage, wie es um die (politische) Bildung bestellt ist, wenn sich jeder nur in seiner „Interessens-Nische“ bewegt.

Zur Person: Prof. Dr. Dr. Dietmar Janetzko hat Psychologe, evangelische Theologe und Informatik studiert. An der CBS lehrt er als Professor für Wirtschaftsinformatik und Business Process Management.

Zur Veranstaltung: Für das Format „Wissenschaft in Kölner Häusern“ (WiKH) holte die Kölner Wissenschaftsrunde (KWR) vom 14. bis 18. Mai 2018 bereits zum dritten Mal spannende Forschungsergebnisse raus aus den Hörsälen und Laboren der Hochschulen. Es wurden viele passende Orte abseits der gewohnten Wissenschaftswelt gefunden, an denen Referenten von insgesamt 15 Kölner Hochschulen und Bildungseinrichtungen aktuelle Themen der verschiedensten Disziplinen vorstellten, mit den Besuchern experimentierten und diskutierten. Prof. Fröhlich, Präsidentin der CBS und Vorsitzende des KWR Vorstands, beschreibt die Idee: “Wir bringen die Wissenschaft an Orte, an denen man sie nicht erwartet. Die Veranstaltungen zeigen auf anschauliche Weise die Forschungsvielfalt der Kölner Wissenschaftseinrichtungen und die damit verbundenen Anwendungsgebiete.”

Die CBS International Business School ist seit 2016 Teil der Stuttgarter Klett Gruppe.
Die Unternehmensgruppe Klett ist ein führendes Bildungsunternehmen in Europa und international in 17 Ländern vertreten. Das Angebot umfasst klassische und moderne Bildungsmedien für den Schulalltag sowie die Unterrichtsvorbereitung, Fachliteratur und Schöne Literatur. Darüber hinaus betreibt die Klett Gruppe zahlreiche Bildungseinrichtungen von Kindertagesstätten über Schulen bis hin zu Fernschulen, Fernfach- und Präsenzhochschulen. Weitere Informationen finden Sie unter www.klett-gruppe.de.
CBS International Business School © 1993-2020 | Impressum | Datenschutz