Patrick Bungard im Experten-Interview

Alle Kategorien, Fakultät   -  1. Juli 2019

Nachhaltiges Management stellt als Wirtschaftsleitsatz alles auf den Prüfstand – Geschäftsmodelle, Unternehmensprozesse und – kulturen. Weshalb “Nachhaltiges Management“ für Unternehmen ein wichtiges Thema sein kann um konkurrenzfähig zu bleiben und welche Herausforderungen die Ausbildung von Nachwuchskräften im Master-Studiengang „General Management – Nachhaltiges Management“ bietet, hat uns Patrick Bungard, Director Center for Advanced Sustainable Management an der Cologne Business School, in unserem Interview erläutert.

CBS: Als Leiter des Center for Advanced Sustainable Management beschäftigst du dich intensiv mit den Themen CSR und Nachhaltigkeit. Wie definierst du nachhaltiges Management und wieso ist das Thema für Unternehmen relevant?

Patrick Bungard: Das „Nachhaltige Management“ folgt dem Grundgedanken, dass es nicht möglich ist, „die Nachhaltigkeit“ eines Unternehmens zu managen – ein Unternehmen aber „nachhaltig“ gemanagt werden kann, also langfristig profitabel und konkurrenzfähig ist. Im Angesicht der enormen globalen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, wie beispielsweise dem Klimawandel, kann dies nur gelingen, wenn das Geschäftsmodell eines Unternehmens so ausgerichtet ist, dass die negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesellschaft möglichst gering und gleichzeitig die positiven Auswirkungen möglichst hoch sind. Geschäftsmodelle zu entwickeln, die profitabel sind WEIL sie einen tatsächlichen Lösungsbeitrag für die globalen Herausforderungen unserer Zeit schaffen, ist der Kern des „Nachhaltigen Managements“.

Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft von Unternehmen zu rücken ist vor allem aus zwei Gründen hochrelevant. Auf der einen Seite sind Unternehmen, die Nachhaltigkeitsthemen in die DNA ihrer Geschäftsmodelle integrieren zunehmend erfolgreicher als jene, die Nachhaltigkeit nicht ernsthaft auf ihre Business-Agenda setzen. Zahlreiche wissenschaftliche Studien belegen dies eindrucksvoll. Ob es um die Gewinnung von Fach- und Führungskräften geht, die Attraktivität auf dem Finanzmarkt oder um den Blick auf Markt- und Umsatzzahlen. Nachhaltigkeitsthemen haben die Kerndisziplinen der Betriebswirtschaft erreicht und machen dort zunehmend den Unterschied aus. Auf der anderen Seite besitzt das Thema auf gesellschaftlicher Ebene allerhöchste Relevanz. Wenn Unternehmen nicht rasant einlenken und von Problemverursachern zum Problemlösern werden, stößt der Planet Erde in nicht zu ferner Zukunft an seine natürlichen Grenzen. Der Klimawandel ist nur eines von vielen Themen anhand derer diese Dringlichkeit immer deutlicher wird.

CBS: In einem Fachbeitrag für das FAZ Magazin “Verantwortung” hattest du beschrieben, dass die Zeit der nachhaltigen Geschäftsmodelle nun gekommen sei. Woran machst du diese Einschätzung fest?

Patrick Bungard: Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen haben sich in den letzten Jahren völlig verändert: Während Unternehmen früher die Kosten ihrer negativen Auswirkungen auf die Umwelt externalisieren konnten, tragen sie heute die Kosten globaler Probleme direkt wie indirekt mit. Sie werden unmittelbar mit globalen Problemen konfrontiert und sind gezwungen ihre Geschäftsmodelle ganzheitlich zu hinterfragen. Andernfalls drohen unkalkulierbare, teils existenzgefährdende betriebswirtschaftliche Risiken. Im Umkehrschluss entstehen aber auch ungeahnte Potenziale und neue Chancen. Wenn ein Unternehmen das Geschäftsmodell erfolgreich an die neuen Rahmenbedingungen anpasst und so zur Lösung globaler Probleme beiträgt, wird es wirtschaftlich davon profitieren.

Zur Erläuterung dieser Einschätzung lassen sich zahlreiche Aspekte heranziehen. Besonders wichtig sind aus unserer Sicht am CASM die folgenden drei: (1) Zunehmende Einsicht der Realitäten – Die globalen Herausforderungen wie der Klimawandel bedrohen unmittelbar das Leben auf der Erde. Viele Unternehmen haben endlich verstanden, dass sie nur in einer intakten Gesellschaft und Umwelt nachhaltig wirtschaften und existieren können. Die Zeiten, in denen Profite rücksichtslos und auf Kosten von Umwelt oder Menschrechten erwirtschaftet wurden, sind moralisch wie betriebswirtschaftlich völlig untragbar. (2) Ansteigender politischer Druck – Ein zweiter wesentlicher Treiber zu mehr Nachhaltigkeit im Kerngeschäft von Unternehmen ist der zunehmende Einfluss des politischen Sektors. Anhand der Automobilindustrie lässt sich dieser gut beschreiben. Neue Regulierungen, wie beispielweise die Elektroquote für Autos in China, die Einführung von autofreien Zonen in Innenstädten weltweit oder die jüngst verabschiedeten EU-Beschlüsse zu strengeren Emissionsgrenzwerten für Pkws, bestärken Automobilkonzerne darin, den bereits heute massiv spürbaren und tiefgreifenden Wandel von Märkten und Geschäftsmodellen aktiv mitzugestalten. (3) Aufstrebende Stakeholderinteressen – Auch bei weiteren Interessensgruppen lässt sich ein verändertes Anspruchsdenken hinsichtlich mehr ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit feststellen. Zahlreiche Studien belegen, dass immer mehr Kunden in fast allen Branchen tatsächliche nachhaltige Produktalternativen verlangen, Investoren mittlerweile mit einem progressiven Anlageverhalten auf das Themenfeld Nachhaltigkeit reagieren. Ebenso zeigen sich nachhaltig aufgestellte Unternehmen bei der strategisch immer wichtiger werdenden Herausforderung Fach- und Führungskräfte in Zeiten des „War for Talents“ zu gewinnen, deutlich erfolgreicher. Es würde den Rahmen dieses Interviews sprengen, aber diese Auflistung an Interessensgruppen und Beispielen könnte seitenweise fortgesetzt werden.

CBS: Was sollten Unternehmen beachten, wenn sie einen Transformationsprozess zu nachhaltigem Management einleiten wollen?

Patrick Bungard: Aus unserer Sicht ist es elementar wichtig zu verstehen, dass „Nachhaltiges Management“ kein Konzept von der Stange ist, das Sie 1-1 auf jedes Unternehmen anwenden können. Vielmehr geht es darum, „Nachhaltiges Management“ individuell von den eigenen Unternehmensgegebenheiten her zu denken. Die Ausgestaltung hängt maßgeblich von der Unternehmenskultur, der Branche, der Standorte und weiteren Faktoren ab.

Des Weiteren halten wir es für unabdingbar, Nachhaltigkeit als betriebswirtschaftliches Thema anzunehmen. In vielen Unternehmen wird Nachhaltigkeit immer noch als „Nice-to-Have Thema“ verstanden um z.B. die Unternehmensreputation zu verbessern. Diese Phase ist längst überwunden – Für eine erfolgreiche Transformation ist es existenziell von Beginn an am Kerngeschäft des Unternehmens anzusetzen und von der Beschaffung bis zum Vertrieb sowie in den unterstützenden Funktionen die Mitarbeiter für das Thema zu gewinnen und systematisch einzubeziehen.

Nachhaltiges Management ist kein Ziel, sondern ein fortlaufender Prozess – eine kontinuierliche Managementaufgabe. Es geht darum ein neues Management-Paradigma im Unternehmen zu verankern. Ein Paradigma, das Nachhaltigkeit und Profitabilität nicht im Gegensatz, sondern im Einklang versteht. Dieser Paradigmenwechsel beginnt im Kopf der Führungskräfte der Unternehmen und genau an dieser Stelle muss beim Einleiten der Transformation angesetzt werden. Wenn die Menschen im Unternehmen nicht hinter dem Thema stehen, ist das Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Hier wird schon offensichtlich warum wir an der CBS das Thema längst und voll integriert in die Ausbildung zukünftiger Manager integrieren

CBS: An unserer Hochschule bildest du u. a. im Master-Studiengang „General Management – Nachhaltiges Management“ unsere Studierenden zu Managern mit CSR-Mindset aus. Worauf legst du dabei besonderen Wert?

Patrick Bungard: Ein Mindset kann man selbstverständlich nicht „unterrichten“ oder „beibringen“. Wir sehen die Rolle der Dozenten im Bereich des Nachhaltigen Managements darin, die Studierenden für das Themenfeld zu begeistern und zu inspirieren alteingesessene Managementtheorien auf Basis aktueller globaler Entwicklungen kritisch zu reflektieren und die Gestaltungsmöglichkeiten aufzeigen. An der CBS werden Fach- und Führungskräfte der kommenden Managementgeneration ausgebildet. Diese Generation steht vor enormen, aber auch spannenden Herausforderungen, auf die wir sie vorbereiten möchten. Bei der Ausbildung legen wir besonderen Wert darauf, den Studierenden einen Raum zu bieten in dem sie ihr eigenes und individuelles Mindset und Managementprofil entwickeln können.

Wir möchten Bewusstsein für Nachhaltigkeitsthemen schaffen und gemeinsam mit den Studierenden die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für Manager erarbeiten. Das kann aus unserer Sicht nur im Diskurs zwischen den Studierenden, mit den Dozenten und natürlich mit Pionieren und Experten aus der Unternehmenspraxis geschehen. Praxisnähe, Anwendungsorientierung und offener Diskurs sind die zentralen Eckpfeiler unseres Lehrverständnisses. Selbstverständlich legen wir auch Wert darauf die wichtigsten theoretischen Konzepte des Nachhaltigen Managements zu vermitteln. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, dass das Thema Nachhaltigkeit an der CBS nicht isoliert im Rahmen einzelner Fächer zum Thema Nachhaltigkeit bearbeitetet wird. Die CBS ist eine führende Business School wenn es darum geht, Nachhaltigkeitsthemen von Beginn des Studiums in die gesamte Ausbildung einzuflechten. Gute Controller, Personaler, Beschaffer, Vertriebler oder Supply Chain Manager werden zunehmend mehr mit den Nachhaltigkeitsthemen zu haben. Darauf müssen Sie im Studium vorbereitet werden.

CBS: Auf unserem Open Campus Day am 6. Juli wirst du ebenfalls einen Vortrag zum Thema „Nachhaltigkeit“ halten. Worauf können sich die Gäste freuen?

Patrick Bungard: Eben darauf, dass ich keinen Vortrag halten werde. Ich freue mich sehr auf die Gäste und möchte mit den Teilnehmern von Beginn an in den Diskurs treten. Ich bin mir sicher, dass die unterschiedlichen Hintergründe und Blickwinkel der Teilnehmer auf das Thema einen großen Mehrwert für alle mit sich bringen. Ich erhoffe mir auf diese Weise den Teilnehmern ein Gespür dafür zu vermitteln, wie die CBS das Thema „Nachhaltiges Management“ versteht, wie der Grundcharakter der Vorlesungen und der Spezialisierung „Nachhaltiges Management“ aussieht. Besonders möchte ich die Teilnehmer für unsere Spezialisierung Nachhaltigkeit im Masterprogramm begeistern, welches erstmalig im September an der CBS angeboten wird.

Rückfragen zum deutschsprachigen Masterstudiengang „General Management – Nachhaltiges Management“ beantwortet Patrick Bungard am Open Campus Day am 6. Juli 2019 im Abschluss zu seinem Diskurs von  13.00h-14.00h in Raum „Los Angeles“. Um Anmeldung zum Open Campus Day wird gebeten unter: https://cbs.de/beratung-bewerbung/events-veranstaltungen/

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