Erfolgreich lernen – Clevere Strategien für das Studium

Alle Kategorien, Fakultät, Inside CBS   -  30. Oktober 2018

Lernen unter Zeitdruck gehört für viele Studierende zum Studium dazu. In einem Intensiv-Workshop zum Thema „Erfolgreich lernen“, der in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse durchgeführt wurde, präsentierte Stefan Burggraf, Hochschuldozent für Lernpsychologie, Ziel- und Zeitmanagement und Rhetorik sowie Gründer des Calleo Instituts, Lernstrategien, mit denen der Klausurstoff stressfreier und vor allem nachhaltiger gelernt werden kann. „Ich stelle immer wieder fest, dass sich nur wenige Studierenden intensiv mit Lern- und Merktechniken auseinandergesetzt haben. Dabei haben gerade fortgeschrittene Techniken, wie sog. Mnemotechniken, mit denen sich Definitionen, Jahreszahlen Paragraphen oder Vokabeln merken und zielgerichtet abrufen lassen, einen großen Einfluss auf den Erfolg einer Klausur oder gar den Studienabschluss“, erläuterte der ausgebildete Coach.

Vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis

Zur Eröffnung der Career-Service-Veranstaltung wartete er mit einigen verblüffenden Zahlen zum Kurz- und Langzeitgedächtnis auf: Eine Faustregel der Lernforschung besagt, dass sich ein Lernender nur ca. 10 Prozent von dem, was er liest, 20 Prozent von dem, was er hört und 30 Prozent von dem, was er sieht, ohne Wiederholung langfristig merken wird. Eine der nachhaltigsten Lernstrategien stellt hingegen das eigene Handeln dar: 70 Prozent jener Inhalte, die wir selbst erklären können und 90 Prozent der Lerninhalte werden behalten, wenn wir sie selbst durchführen. Lerninhalte finden deshalb oft dann Eingang in unser Langzeitgedächtnis, wenn neben einer regelmäßigen Wiederholung auch verschiedene Lernzugänge genutzt werden, um die Informationen zu verarbeiten. Je tiefer diese Verarbeitung stattfindet, desto besser wirkt sich dies auf die Behaltensleistung der Lernenden aus.

Die innere Einstellung und Eigenmotivation

Der Lernerfolg hängt maßgeblich von der inneren Einstellung und Eigenmotivation ab. Studierende gehen stets mit ihrem persönlichen Erfahrungshintergrund in Klausuren, der sich aus diversen Überzeugungen und Glaubenssätzen zusammensetzt. Jemand, der in der Vergangenheit mathematische Klausuren nur knapp bestanden hat, begegnet Statistikklausuren deshalb womöglich häufig mit einer niedrigen Erwartungshaltung, die sich in der Konsequenz nicht nur in dem darauf angepassten Lernverhalten, sondern auch oft in der späteren Zensur äußert.

Auch die Eigenmotivation nimmt großen Einfluss auf das Klausurergebnis. Studierende, die sich auf ihre Prüfungen beispielsweise mit einem konkreten Berufswunsch vor Augen vorbereiten, erzielen nicht selten höhere Erfolge. Vor einer Prüfung sollten sich die Studierenden deshalb über die W-Fragen klar werden: Wozu? Was? Wie? Wann? Wo? und Mit Wem? Jeder dieser Punkte kann von dem Studierenden selbst gesteuert und den eigenen Bedürfnissen angepasst werden. Wer besser in Gruppen lernt, sollte sich frühzeitig mit Kommilitonen zusammenschließen. Wer eine ruhige Lernatmosphäre benötigt, könnte diese vielleicht in einer Bibliothek finden.

Das eigene Rhythmus und das richtige Zeitmanagement

„Unsere Leistungskurve schwankt entsprechend unseres Biorhythmus. Es ist deshalb entscheidend, gerade während der Prüfungsphase auf eine gesunde Balance zwischen anspruchsvollen und weniger anspruchsvollen Tätigkeiten zu achten, um ausdauernd lernen und arbeiten zu können.“ Gerade Pausen stellen deshalb keine unproduktiven Phasen dar, sondern steigern das eigene Energielevel und ermöglichen ein effizienteres Arbeiten. „Vielen Lernenden hilft es, sich feste Arbeits- und Ruhezeiten anzugewöhnen und bei der Tagesplanung Prioritäten zu setzen. Dabei ist es wichtig, sich insbesondere am letzten Tag vor den Prüfungen mental nicht zu überanstrengen und gut erholt in den Prüfungstag zu starten, sagt Stefan Burggraf.

Für eine bessere Priorisierung von Aufgaben im Alltag hilft zudem die ABC-Methode, die oft im Zeitmanagement vermittelt wird: Alle Aufgaben werden ihrer Dringlichkeit in die Kategorien A, B, C, D, oder E unterteilt und in dieser Reihenfolge strukturiert abgearbeitet. Das ist entscheidend, weil viele Studierende gerade in der Prüfungsphase eine Vielzahl an Aufgaben erledigen, aber intuitiv dazu neigen, leicht zu bewältigende Aufgaben den schwierigeren, aber  oft wichtigeren Aufgaben (z.B. der Klausurvorbereitung) vorzuziehen.  Kategorie A umfasst nach der ABC-Methode deshalb Tätigkeiten, die unbedingt erledigt werden müssen und bei Nichterledigung schwere Konsequenzen nach sich ziehen. Tätigkeiten der Kategorie B sind ebenfalls wichtig, ziehen bei einem Aufschub allerdings nur leichte Konsequenzen nach sich. In Kategorie C werden Tätigkeiten sortiert, die gern erledigt werden, aber kaum Auswirkungen haben, während Tätigkeiten der Kategorie D und E entweder delegiert oder bei genauerer Betrachtung ganz gestrichen werden können.

Merkmethoden für jeden Klausurstoff

Lernen mit Mnemotechniken

Mnemotechniken, auch Erinnerungskunst genannt, werden verwendet, um Informationen besser zu speichern und gelernte Inhalte langfristig abrufen zu können. Die Techniken helfen dabei, individuelle „Eselbrücken“ für den Lernstoff in Form von Bildern und Geschichten zu entwickeln und sich auf diese Weise eine Vielfalt an komplexen Lerninhalten zu merken. Die Anwendungsbereiche reichen dabei von Fakten, mathematischen Formeln, Jahreszahlen, Paragraphen und Vokabeln bis hin zu umfangreichen Theorien, die je nach Art der Information unterschiedlich gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden können.

Phonetisches Verschlüsseln: Mit dieser Methode werden Zahlen bestimmten Konsonanten zugeordnet, um daraus in Kombination mit frei wählbaren Vokalen Signalwörter zu bilden. Die Zahlenfolge 3 (m) – 0 (s) – 2 (n) – 9 (b) – 4 (r) kann auf diese Weise beispielsweise als das Wort „Ameisenbär“ codiert und abgespeichert werden. Das Phonetische Verschlüsseln ist ideal, um sich Paragraphen, Jahreszahlen und andere Zahlen für die Prüfungsvorbereitung zu merken.

Zahl-Form-System: Bei diesem System fungieren Ziffern als Grundgerüst, sogenannte Haken, indem sie eine Reihenfolge bilden, in der die Wörter gemerkt und einsortiert werden können. Die Zahl „7“ entspricht in diesem System so etwa aufgrund ihrer ähnlichen Optik einer Axt, die in einem Bild mit dem Lerngegenstand verbunden werden sollte. Das Bild mit einer Axt, die ein „Spray“ spaltet, könnte auf diese Weise stellvertretend für den siebtlängsten Fluss Deutschlands, die „Spree“ stehen. Dieses System eignet sich für Lerninhalte, die in der richtigen Reihenfolge behalten werden sollen.

Link- & Storymethode: In dieser Methode werden Elemente kreativ verbunden und durch das Einbetten in eine merkwürdige, abstruse und auffällige Geschichte eingebettet. Entscheidend ist dabei, dass alle Informationen verbildlicht werden müssen und die Geschichte in Sequenzen unterteilt ist. Beginnt die Geschichte beispielsweise mit einer „Euromünze“, die aus einem „Ofen“ springt und die anschließend als Teil einer „Vertragsverhandlung“ herhalten muss, könnten sich Wirtschaftspsychologen bereits drei der Big 5 der Persönlichkeitspsychologie „“Neurotizismus“, „Offenheit“ und „Verträglichkeit“ gemerkt haben. Die Mnemotechnik hilft dabei, Definitionen, Merkmale und Formeln sicher zu behalten.

Schlüsselwortmethode: Diese Methode erleichtert Lernen von Vokabeln. Jede Vokabel wird dabei gehirngerecht als Bild mit ihrer Übersetzung verknüpft. Zum fremdsprachigen Wort (z.B. „moose“ für „Elch“) muss ein ähnlich klingendes Wort in der Muttersprache gefunden werden (z.B. „Mus“). Es genügt auch, wenn das Wort in der Muttersprache nur wie ein Teil des fremdsprachigen Wortes klingt. Die bildliche Vorstellung des muttersprachlichen Wortes wird anschließend mit einem Bild des übersetzten fremdsprachigen Begriffs verbunden (z.B. ein Elch, der Apfelmus löffelt). Durch einfaches Lesen dieser meist unterhaltsamen und merkwürdigen Szenen werden die Vokabeln gelernt und sind über den visuellen Zugang später schnell wieder abrufbar.

Loci-Methode und Gedächtnispalast: Bei der Loci-Methode werden Orte (Loci) verwendet, indem auf einem Weg Lerninhalte und Erinnerungen in Form von Bildern und Szenen platziert werden. Der Lernende sollte hierzu am besten einen gut bekannten Weg wählen, wie den Gang durch die eigene Wohnung oder den Weg zur Universität. Falls der Anwender über mehrere dieser Lernwege verfügt, die miteinander verknüpft sind, spricht man auch von einem „Gedächtnispalast“. Die Methode eignet sich dafür, große Mengen an Wissen zu lernen und vereint dabei oft eine Vielzahl mehrere Mnemotechniken in sich.

Wie gut diese Methoden funktionieren, konnten die Studierenden im Laufe des Workshops selbst erfahren: Mithilfe des Zahl-Form-Systems haben sie sich die 10 längsten Flüsse Deutschlands in der richtigen Reihenfolge gemerkt und durch die Link- und Story-Methode sowie der Loci-Technik komplexe Definitionen und Formeln aus der BWL, Wirtschaftspsychologie und International Business erfolgreich eingeprägt.

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