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CBS-Expertise in Bolivien gefragt

Alle News, Fakultät   -  21. Juli 2017

Prof. Dr. Werner (zweiter von rechts) mit dem Direktor des Ejecutivo del Servicio Estatal de Autonimías Rodrigo Puerta (erster von links), dem Vizeminister für Autonomiefragen Hugo Siles (dritter von links) und Josef Ising (erster von rechts) der GIZ Bolivien.

Prof. Dr. Jan Werner, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Cologne Business School, ist als Finanzexperte international gefragt. So war er vor kurzem für die GIZ (Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH) sowie das Ministerio de Autonomías del Estado Plurinacional de Bolivia als Berater in Bolivien tätig.

Während seines Aufenthalts im April und Juli 2017 hat er hochrangige Politiker und Ministerialbeamte im Rahmen des  bolivianischen Fiskalpaktes – einer Neuregelegung der Finanzbeziehungen zwischen den verschiedenen staatlichen Ebenen Boliviens – beraten. Prof. Dr. Werner durfte somit an nicht öffentlichen Meetings zwischen Regierungsvertretern Boliviens teilnehmen, um gemeinsam mit ihnen ein Konzept für den künftigen Fiskalpakt zu entwickeln.

Im folgenden Interview beantwortet er weitere Fragen zu seinem Aufenthalt in Bolivien.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit der GIZ und wie sah Ihr Einsatz in Bolivien aus?

Mit der GIZ arbeite ich bereits seit dem Jahr 2006  zusammen und bin in ihrem Auftrag immer wieder im Ausland tätig. Insgesamt habe ich bereits in 22 Ländern gearbeitet, zum Beispiel in Pakistan, Südafrika oder Nepal – und nun zuletzt in Bolivien, wo ich Regierungsvertreter zum Thema Finanzausgleich beraten habe. Im April dieses Jahres fand mein erster Besuch in La Paz statt, bei dem ich bereits einen Teil der technischen Kommission kennengelernt habe, die für die Erarbeitung des Fiskalpaktes zuständig ist. Gemeinsam haben wir die Vor- und Nachteile des bundesdeutschen Länderfinanzausgleiches erörtert und die positive Resonanz der Partner vor Ort führte dazu, dass ich daraufhin erneut nach Bolivien eingeladen wurde. Während meines zweiten Aufenthalts habe ich die gesamte Kommission aus 28 hochrangigen Politikern und Ministerialbeamten aus der bolivianischen Zentralregierung, aller neun Provinzen, dem Städte- und Gemeindebund sowie den Vertretern der indigenen Bevölkerung beraten. Beispielsweise war an dem Workshop der Vizeminister für Autonomiefragen Herr Hugo Siles und die ehemalige Präsidentin des Concejo paceño in La Paz, Frau Gabriela Niño de Guzmán García, anwesend.

Wie genau konnten Sie die bolivianische Regierung bei der Ausarbeitung des Fiskalpaktes unterstützen?

Da ich mich nicht nur mit dem deutschen Länderfinanzausgleich sehr gut auskenne, sondern auch die Modelle von rund dreißzig  Ländern kenne, habe ich während des Workshops u.a. einen Einblick in die Regelungen in Australien, Brasilien, Kanada, Indien, Schweden und der Schweiz gegeben.

Können Sie den Hintergrund für die Einführung des Fiskalpaktes erläutern?

In Bolivien hat man seit dem Jahr 2009 viele neue Gas- und Ölfelder erschlossen und langfristige Lieferverträge mit Brasilien und Argentinien abgeschlossen.  Diese Lieferverträge sind an die aktuelle Preisentwicklung des Öls auf dem Weltmarkt gekoppelt und somit hat man anfangs – bis ungefähr Mitte 2012 – viele Finanzmittel zur Verfügung gehabt, aber seit dem Verfall des Ölpreises sind auch wieder die verfügbaren Finanzmittel gesunken. Hierfür muss seitens der Regierung zusammen mit den Provinzen eine Lösung gefunden werden, wodurch der Fiskalpakt ins Gespräch kam. Die Finanzbeziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen müssen neu geregelt werden, wobei der deutsche Länderfinanzausgleich und Modelle anderer Länder beispielhaft herangezogen werden.

Was sind die Herausforderungen, vor denen Bolivien bei der Umsetzung steht?

Die größte Herausforderung ist, dass Regierung und Opposition sich einigen müssen. Momentan befindet sich die technische Kommission des Fiskalpaktes noch in der Problemanalyse, allerdings wird der Punkt kommen, an dem sie sich einigen und zu einem Kompromiss kommen müssen. Dies kann unter Umständen schwierig werden, wie es zum Beispiel in Venezuela der Fall war, wo keine Einigung stattfand. Aber auch bei allen politischen Unterschieden muss etwas geändert und ein gemeinsamer Reformvorschlag gefunden werden.

Wird es weitere Treffen mit Vertretern der bolivianischen Regierung zum Fiskalpakt geben?

Das kann ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Das ist davon abhängig, wie sich die Ausarbeitung des Fiskalpaktes weiterentwickelt und auch ob ein weiterer Einsatz sich mit meiner Lehrverpflichtung an der CBS vereinbaren lässt. Schließlich bin ich zuerst Professor für Volkswirtschaft und erst an zweiter Stelle unabhängiger Berater im Bereich Entwicklungspolitik.

Was war das Highlight Ihrer Reise nach Bolivien?

Bei meinem ersten Besuch im April hat der deutsche Botschafter Herr Matthias Sonn zusammen mit der GIZ Landesdirektorin Frau Elisabeth Girrbach einen Abendempfang organisiert, der sehr gut besucht war – dies war mir eine große Ehre.

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