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Nehmen Social Bots Einfluss auf die öffentliche Meinung? Prof. Dr. Dr. Dietmar Janetzko als Sachverständiger im Deutschen Bundestag

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Nehmen Social Bots Einfluss auf die öffentliche Meinung? Prof. Dr. Dr. Dietmar Janetzko als Sachverständiger im Deutschen Bundestag

Social Bots, Fake News und andere Formen des disruptiven Eingriffs in Meinungsbildungsprozesse bewegen die Öffentlichkeit und auch die Politik. Im Januar fand hierzu ein Fachgespräch des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung unter Leitung von Patricia Lips (CDU/CSU) statt. Prof. Dr. Dr. Dietmar Janetzko, Professor für Wirtschaftsinformatik und Business Process Management an der Cologne Business School, wurde als Sachverständiger zu diesem Fachgespräch eingeladen.

Social Bots sind Programme, die unter Vortäuschung einer falschen Identität in sozialen Medien agieren und versuchen, auf Meinungsbildungsprozesse Einfluss zu nehmen. Die Frage, inwieweit sie Meinungen manipulieren können und ob und wie der Gesetzgeber darauf reagieren soll, war den anwesenden Sachverständigen strittig. Diskutiert wurden eine Registrierungspflicht für Social Bots sowie ein verstärktes medienpädagogisches Engagement, um der möglichen Meinungsmanipulation entgegenzutreten.

Im folgenden Interview gibt Prof. Janetzko einen Einblick in die Aktivitäten von Social Bots und beleuchtet, ob sie wirklich gefährlich sind und welche Auswirkungen sie auf die Wirtschaft haben können.

Woran kann man erkennen, dass man es in sozialen Netzwerken mit einem Social Bot zu tun hat?

Hierfür gibt es aktuell kein sicheres Verfahren, sondern lediglich Anhaltspunkte. Social Bots sind vor allem auf Twitter aktiv. Hier kann das Verhältnis der Friends und Follower ein Indiz sein: Social Bots folgen in der Regel vielen Accounts, haben selbst aber nur wenige Follower. Dieses Kriterium zur Identifizierung ist jedoch mit Vorsicht zu genießen und nur bedingt gültig. Grund dafür ist, dass Bots häufig in Bot-Netzwerken agieren und sich gegenseitig folgen. So ist das Verhältnis Friends und Follower immer häufiger auch bei Bots ausgeglichen. Weitere Indizien können ein Logo oder eine Comicfigur und kein richtiges Foto als Profilbild sein sowie die Uhrzeit und Frequenz der Postings. Werden beispielsweise mitten in der Nacht Tweets abgesetzt oder mehrere hintereinander in einem sehr kurzen Zeitraum, könnte dies ein Hinweis auf einen Bot sein. Aber auch hier gilt: Entwickler können ihre Programme jederzeit umprogrammieren und die Uhrzeiten und Zeitintervalle von Postings beeinflussen.

Kann man Social Bots melden und ihre Entwickler identifizieren?

Ein Missbrauch kann in den sozialen Netzwerken gemeldet werden. Der Einsatz von Social Bots ist nicht im Einklang mit den Geschäftsbedingungen, daher liegt es in ihrem Interesse, die Aktivitäten von Social Bots einzudämmen. Ein Einsatz der sozialen Medien diesbezüglich ist sicherlich vorhanden, man könnte sich aber durchaus noch weiteres Eingreifen vorstellen. Die Entwickler der Bots selbst sind schwer identifizierbar. Es sind zwar Ansätze vorhanden, so könnte man theoretisch anhand des Bauplans des Bots eine Beziehung zu seinem Entwickler herstellen, die Beweiskette ist allerdings sehr unsicher.

Wie erklären Sie sich das große Interesse an Social Bots und damit zusammenhängender Themen wie zum Beispiel Fake News?

Die sehr intensive Diskussion zurzeit erklärt sich einerseits vor dem Hintergrund des Brexits und der amerikanischen Präsidentschaftswahlen. Bei diesen Ereignissen wurden Social Bots eingesetzt. Andererseits erklärt sich die große Aufmerksamkeit aufgrund der diesjährigen Bundestagswahl sowie der Präsidentschaftswahl in Frankreich. Das Thema wird vom Bundestag sehr ernst genommen, so ist momentan eine Registrierungspflicht für Social Bots im Gespräch. Die Durchführbarkeit und auch der Sinn dessen werden von verschiedenen Gruppen jedoch in Zweifel gezogen.

Anhand vieler Medienberichte und Politikerstimmen könnte man annehmen, Social Bots seien gefährlich und könnten die diesjährige Wahl manipulieren. Wie stehen Sie dazu?

Bei den derzeitigen zugänglichen Informationsquellen haben Social Bots vermutlich keine großen Chancen, Menschen in größerer Zahl zu beeinflussen. Aber um das noch einmal zu relativieren: Häufig gibt es bei politischen Debatten Pattsituationen – hier kann selbst eine kleine Anzahl an Menschen Ausschlag geben. Meiner Meinung nach können Bots und verwandte Mittel der Einflussnahme durchaus dazu beitragen, dass ein Thema größer erscheint als es tatsächlich ist. Ich möchte zudem hinzufügen, dass nicht nur Social Bots gefährlich sein können, sondern auch die Reaktion darauf. Eine bedenkliche Entwicklung ist es, wenn sich die Regierung beispielsweise zu zensurähnlichen Maßnahmen verleiten lässt.

Was halten Sie von den vermehrten Anstrengungen im Bereich der Medienpädagogik, um auf Probleme im Zusammenhang mit Social Bots und Fake News zu reagieren?

Der Ruf nach Medienpädagogik ist nachvollziehbar, denn es existieren leider immer noch verworrene Vorstellungen über soziale Medien. Allerdings bemühen sich viele medienpädagogische Arbeiten aus meiner Sicht zu sehr um einen instrumentellen Ansatz bezüglich social Networks, zum Beispiel hinsichtlich des Arbeitsmarktes. Eine kritische Auseinandersetzung spielt in der derzeitigen Medienpädagogik nur eine randständige Rolle.

Können Social Bots auch einen Einfluss auf die Wirtschaft haben? Wie könnten Unternehmen Bots nutzen?

Social Bots können auf verschiedenen Ebenen einen Einfluss auf die Wirtschaft haben, zum Beispiel im Bereich der Finanzwirtschaft. Wenn Finanzdienstleister Empfehlungen aufgrund einer vorherrschenden Meinung in den sozialen Medien geben, öffnet dies der Aktienmanipulation Tür und Tor. Eine ähnliche Entwicklung gab es bereits vor Social Bots, das sogenannte Pump and Dump-Prinzip. Aufgrund falscher Angaben wird eine Aktie hochgejubelt, die dann von den Verursachern der Falschangaben wieder verkauft wird. Eine weitere Möglichkeit der Einflussnahme ist das Streuen von Gerüchten durch Social Bots, sodass Firmen in Misskredit geraten. Unternehmen hingegen können Bots auch für positive Maßnahmen einsetzen. Sie können beispielsweise in gewissem Maße die Kundenkommunikation übernehmen, Missverständnisse ausräumen oder gegebenenfalls einem Shitstorm entgegentreten.

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